Die Geschichte der eBooks, Teil 2

Wurden eBooks in den 1980ern noch umständlich per Diskette verteilt wie die „Diskomane“, etablierte sich ab Mitte der 1990er ein Medium immer deutlicher, das wie geschaffen für die Verbreitung digitaler Bücher war – das Internet.
Gleichzeitig sanken auch die Herstellungskosten für Hardware wie Displays, Akkus und Speicher, so dass die ersten Lesegeräte für eBooks auch für den Endkunden erschwinglich wurden. 1996 brachte die Firma Palm die ersten populären elektronischen Organizer oder PDAs (Personal Digital Assistant) auf den Markt. Eigentlich waren die Geräte zum Anlegen von Kontakten und Terminen gedacht, doch es gab bereits die Möglichkeit, Texte im txt-Format zu lesen.

Das Rocket eBook und der erste Boom

1999 dann wagte die junge Firma NuvoMedia den Sprung ins kalte Wasser und veröffentlichte das erste Lesegerät ausschließlich für eBooks – das Rocket eBook. Mit einem Speicher von bis zu 16 MB ließ sich eine Bibliothek mit mehreren Dutzend Titeln im html-Format anlegen.
Das Display war in Schwarzweiß, erlaubte aber die Darstellung von Grafiken, womit zumindest Titelbilder und Innenillustrationen in einer groben Auflösung angezeigt werden konnten. Selbst Soundeffekte ließen sich einbinden.
Dem Rocket eBook blieb der kommerzielle Erfolg verwehrt. Mit einem Startpreis von 649.- DM war es nichts für den Massenmarkt. Ein Problem, mit dem auch heutige Anbieter immer noch zum kämpfen haben. Mit BOL hatte man in Deutschland auch einen populären Online-Shop, über den die Titel direkt gekauft und auf das Gerät übertragen werden konnte. Trotzdem sorgten der hohe Preis und die geringe Auswahl an attraktiven Titeln für ein rasches Ende des Unternehmens.
Nur zwei Jahre später wurde NuvoMedia von Gemstar aufgekauft, die eine neue Modellreihe sogar mit Farbdisplays einführten. Die späteren Geräte konnten auch das inzwischen äußerst populäre pdf-Format verarbeiten. Dennoch sorgten die altbekannten Probleme wie Preis und Sortiment dafür, dass auch Gemstar 2003 seine Aktivitäten im eBook-Markt vollständig beendete.

Auch der Kultautor Stephen King wollte im Jahr 2000 die Vorteile von eBooks nutzen und ohne Bindung an einen Verlagsvertrag seinen Roman „Riding the Bullet“ direkt im Internet vertreiben. Obwohl der Roman mehrere Hunderttausend Mal heruntergeladen wurde, machte King nur noch einen weiteren Versuch, seine Romane selbst zu verkaufen.
Das Vorgehen von King machte aber eines deutlich – auch für Autoren eröffnete sich mit eBooks eine völlig neue Form der Veröffentlichung und Vermarktung.

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